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Shopware Open Source: Der Kern ist frei, das B2B nicht
Ist Shopware Open Source? Ja. Und trotzdem brauchst du für Freigaben, Budgets und Angebote einen Vertrag. Shopware Open Source ist ein Open-Core-Modell: Der Kern steht unter MIT-Lizenz und ist frei kommerziell nutzbar, die B2B-Workflows liegen in den kommerziellen Plänen. Wer das nicht weiß, plant mit falschen Annahmen.
Shopware Open Source ist ein Open-Core-Modell, und für B2B-Unternehmen ist die Unterscheidung wichtig, weil die Vorteile von Open Source im B2B real sind: Auditierbarkeit, Self-Hosting, Integrationsfreiheit, Exit-Fähigkeit. Sie gelten bei Shopware für den Kern. Für die Funktionen darüber gelten Vertragsbedingungen.
Dieser Artikel zieht die Linie zwischen offen und proprietär, erklärt die Fair Usage Policy und spielt durch, was passiert, wenn du einen Plan kündigst.
Shopware Open Source: Open-Core-Modell, MIT-Kern und B2B-Limits
Was bei Shopware MIT-lizenziert ist und was im Commercial Plugin liegt
Die Fair Usage Policy: Regel, Hintergrund, Konsequenz für die Planung
Welche Open-Source-Vorteile für B2B tatsächlich greifen
Exit-Szenario und Vergleich mit Magento und Shopify
Open Core, definiert
Open Core bezeichnet ein Geschäftsmodell, bei dem der Kern einer Software unter einer Open-Source-Lizenz steht und erweiterte Funktionen proprietär lizenziert werden. Shopware folgt diesem Modell: Die Community Edition ist laut Shopware der MIT-lizenzierte Open-Source-Kern, kostenlos herunterladbar und nutzbar. Alle kostenpflichtigen Pläne bauen darauf auf.
Die MIT-Lizenz erlaubt Nutzung, Änderung, Weitergabe und kommerziellen Einsatz ohne Copyleft-Pflichten. Der Quellcode liegt auf GitHub. Das ist Open Source ohne Einschränkung.
Was offen ist und was nicht
MIT-lizenziert: Kern, Storefront, Administration, Store API und Admin API, Plugin- und App-System, Rule Builder, Flow Builder, Shopping Experiences, Varianten, Sales Channels, Import/Export, Mehrsprachigkeit und Währungen.
Kommerziell, ausgeliefert über die Pläne: Shopware Intelligence und Copilot, 3D-Funktionen, Publisher und erweiterte Flow-Builder-Aktionen. Und ab Evolve die B2B Components: Rollen und Rechte, Angebote, Schnellbestellung, Bestelllisten, Organisationseinheiten, Budgets, Sales Agent, kundenindividuelle Kataloge. Kundenspezifische Preise, Multi-Inventory, Subscriptions und Digital Sales Rooms sind Beyond vorbehalten.
Konkret heißt das: Ein B2B-Shop auf der Community Edition hat Kundengruppen, Netto- und Bruttopreise und den Rule Builder. Freigaben, Budgets und Angebote hat er nicht, es sei denn, du baust sie selbst oder nutzt Drittanbieter-Plugins.
Die Fair Usage Policy
Seit März 2025 gilt laut Shopware: Die Community Edition ist bis zu einer Million Euro Bruttowarenwert pro Jahr frei nutzbar. Darüber erwartet Shopware die Buchung eines Plans. Shopware erfasst den GMV über den Shopware Account, der für Store-Zugang und Plugin-Lizenzen ohnehin nötig ist.
Die Regel ist in der Community umstritten. Im Shopware-Forum läuft dazu eine Diskussion mit mehreren hundert Beiträgen, in der Händler das GMV-Tracking per AGB und die Bündelung mit dem Commercial Plugin kritisieren. Shopwares Begründung: Die Weiterentwicklung des freien Kerns muss finanziert werden.
Für die Planung bedeutet das: Wer die Community Edition einsetzt und auf die Million zuläuft, sollte den Planwechsel budgetieren, bevor Shopware ihn anmahnt. Die MIT-Lizenz des Codes bleibt davon unberührt; die Policy hängt am Account und am Store-Zugang.
Welche Open-Source-Vorteile im B2B wirklich greifen
Die Vorteile von Open Source werden oft abstrakt beschrieben. Im B2B sind sie konkret, weil B2B-Prozesse selten dem Standard entsprechen und weil die Daten, die durch den Shop laufen, geschäftskritisch sind: Vertragspreise, Kundenstrukturen, Bestellhistorien.
Digitale Souveränität und Auditierbarkeit. Der Kern ist einsehbar. Für Sicherheitsaudits, ISO-Zertifizierungen und branchenspezifische Compliance ist das ein echter Vorteil gegenüber geschlossenen SaaS-Systemen, deren Code du nie siehst. Was digitale Souveränität für eine Plattform konkret bedeutet, ist eine Entscheidung über Code, Daten und Infrastruktur zugleich: offene Technologie, europäisches Hosting, keine Abhängigkeit von fremden Roadmaps.
Self-Hosting und Datenhoheit. Kundendaten, Preislisten und Bestellhistorie bleiben in deiner Infrastruktur oder bei einem europäischen Hoster. Für regulierte Branchen oft das entscheidende Kriterium, für alle anderen ein Vertrauensfaktor gegenüber Geschäftskunden.
Prozessfreiheit. B2B heißt kundenindividuelle Freigabe-Workflows, mehrstufige Genehmigungen, Rollen- und Rechtekonzepte, automatisierte Kundenanlage mit ERP-Abgleich. Ein offener Kern lässt sich dort erweitern, wo der Standard endet, ohne auf eine Vendor-Freigabe zu warten. Bei Shopware gilt das uneingeschränkt für den Kern; die vorgefertigten B2B-Workflows kommen aus den Plänen.
Integrationsfreiheit. ERP für Preise und Bestände, PIM für Produktdaten, CRM für Kundenbeziehungen, Buchhaltung: Du entscheidest, was angebunden wird und wie, ohne API-Limits oder Datensatzgrenzen eines SaaS-Anbieters. Das gilt auch für KI: Welche Modelle du einsetzt, wo sie rechnen und auf welche Daten sie über offene Standards wie das Model Context Protocol zugreifen, bestimmst du, nicht der Vendor.
Planbare Kosten und Community. Bei Open Source investierst du in Hosting und Entwicklung statt in umsatzabhängige Lizenzen; die Grundkosten bleiben stabil und skalieren nur dort, wo du mehr Ressourcen brauchst. Dazu kommt ein Ökosystem aus Agenturen, Store-Entwicklern und FriendsOfShopware, das Lücken des Kerns schließt. Bei Shopware relativiert die Fair Usage Policy den Kostenvorteil ab einer Million Euro GMV; das gehört in jede Kalkulation.
Die Kehrseite: Betrieb, Updates und Know-how liegen bei dir. Die Community Edition läuft nicht in der Shopware Cloud, Setup und Wartung sind deine Verantwortung. Das braucht ein Team oder einen Partner; es ist der Preis der Unabhängigkeit.
Exit-Szenario: Was passiert bei Kündigung
Spiel es durch. Du kündigst Evolve. Der Kern läuft weiter, dein Theme läuft weiter, deine eigenen Plugins laufen weiter. Die B2B Components laufen nicht weiter, denn sie kommen über das Commercial Plugin, das an den Plan gebunden ist. Freigaben, Budgets und Angebote sind weg; die Daten dazu musst du vorher exportieren.
Daraus folgt eine Architekturregel, die wir auch im Replatforming-Leitfaden als Auswahlkriterium führen: Halte geschäftskritische Logik, die du dauerhaft besitzen willst, in eigenen Plugins oder in Integrationen. Nutze Plan-Features dort, wo sie Standardprozesse abbilden, die du im Zweifel ersetzen kannst. Das ist kein Argument gegen Evolve. Es ist ein Argument für bewusstes Bauen.
Vergleich: Shopware, Magento, Shopify
Magento Open Source ist ebenfalls frei, das B2B-Modul liegt ausschließlich in Adobe Commerce. Adobe hat seinen Fokus auf den Cloud Service verlagert; Mage-OS führt die Open-Source-Seite als Community-Fork. Das Open-Core-Modell ist strukturell dasselbe wie bei Shopware, der kommerzielle Schnitt ist ähnlich gezogen.
Shopify veröffentlicht keinen Quellcode. Alles, was du dort baust, bleibt dort. Für Standardprozesse ist das kein Problem, für Exit-Fähigkeit schon.
Handlungsempfehlungen
Prüfe vor der Editionswahl, welche B2B-Funktion du brauchst und ob sie im Kern, in Evolve oder in Beyond liegt.
Budgetiere den Planwechsel, wenn du mit der Community Edition auf eine Million GMV zuläufst.
Baue geschäftskritische Logik in eigene Plugins oder Integrationen, nicht ausschließlich in Plan-Features.
Dokumentiere, welche Daten bei einer Kündigung exportiert werden müssen.
Nutze die Offenheit des Kerns aktiv: Code-Reviews, Security-Audits, eigene Integrationen.
Fazit
Shopware Open Source ist echt, und es ist Open Core. Der Kern ist MIT-lizenziert, frei nutzbar und auditierbar. Die B2B-Workflows liegen in den Plänen, und die Fair Usage Policy begrenzt die kostenlose Nutzung nach Umsatz.
Für B2B-Entscheider ist das kein Nachteil, solange sie es wissen. Die Open-Source-Vorteile greifen für Architektur, Daten und Integrationen. Für Prozessfunktionen gilt der Vertrag.
Das Modell wird sich weiter in Richtung Pläne verschieben; die Beyond-exklusiven Features zeigen die Richtung. Umso wichtiger, dass du weißt, was dir gehört.
Wenn du ein B2B-Projekt auf Shopware planst und wissen willst, welche Logik du selbst baust und welche du mietest, sprich mit uns. Als Shopware-Agentur bauen wir seit Jahren auf offenen Plattformen und kennen beide Seiten der Linie.
FAQ
Ist Shopware 6 Open Source?
Ja. Der Kern von Shopware 6 steht unter MIT-Lizenz und ist frei herunterladbar, veränderbar und kommerziell nutzbar. Erweiterte Funktionen, darunter die B2B Components, liegen in den kostenpflichtigen Plänen.
Was ist die Shopware Fair Usage Policy?
Eine seit 2025 geltende Regel, nach der die Community Edition bis zu einer Million Euro GMV pro Jahr frei genutzt werden kann. Darüber erwartet Shopware die Buchung eines Plans. Der GMV wird über den Shopware Account erfasst.
Welche B2B-Funktionen sind in der Community Edition enthalten?
Kundengruppen, Netto- und Bruttopreise, Rule Builder und Sales Channels. Freigaben, Budgets, Angebote, Organisationseinheiten und Sales Agent gehören zu den B2B Components ab Evolve.
Was passiert, wenn ich meinen Shopware-Plan kündige?
Kern, Theme und eigene Plugins laufen weiter. Plan-Features, darunter die B2B Components, stehen nicht mehr zur Verfügung. Zugehörige Daten solltest du vorher exportieren. Es gelten die Vertragsbedingungen.
Habe ich mit Shopware einen Vendor Lock-in?
Für den Kern nicht, er ist Open Source und selbst betreibbar. Für Plan-Features ja, im Rahmen des Vertrags. Wer kritische Logik in eigenen Plugins hält, minimiert das Risiko.