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Shopware 5 auf 6 Migration: Ein Replatforming, das kein Update ist

Best Practices · · 5 Min. Lesezeit
Karol, E-Commerce Consultant
Autor Karol E-Commerce Consultant

Two laptops displaying Shopware 5 and Shopware 6, with icons of products transferring between them, illustrating software upgrade. AI generated

Shopware 5 ist seit dem 31. Juli 2024 End of Life. Zwei Jahre später laufen im DACH-Raum noch tausende Shops darauf, ohne Sicherheitspatches, auf PHP-Versionen, die selbst keinen Support mehr haben. Die Shopware 5 auf 6 Migration ist für diese Shops keine strategische Option mehr, sondern eine Haftungsfrage.

Die Shopware 5 auf 6 Migration ist kein Update. Shopware 6 teilt mit Shopware 5 weder Datenbankstruktur noch Template-Engine noch Plugin-Architektur. Was sich übertragen lässt, sind Daten. Alles andere entsteht neu.

Dieser Artikel zeigt dir, woran du erkennst, dass der Wechsel fällig ist, wie ein Migrationsprojekt realistisch abläuft und an welchen Stellen Projekte Geld und Rankings verlieren. Die Methodik dahinter ist in unserem kostenlosen Replatforming-Leitfaden auf 188 Seiten ausgearbeitet; wo es passt, verlinken wir die Abschnitte. Für Wechsel aus Magento und OXID gibt es eigene Artikel, weil dort andere Fallstricke gelten.

Shopware 5 auf 6 Migration: Das Wichtigste im Überblick

  • Sechs Anzeichen, dass dein Shopware-5-Shop abgelöst werden muss, und was Shopware 6 daran ändert

  • Was der Migration Assistant übernimmt und was du neu baust

  • Die Shopware-5-Spezifika: Plugins, Smarty, Einkaufswelten, Kundengruppen

  • Der Ablauf in sechs Phasen, inklusive Testmigration und Testing

Sechs Anzeichen, dass der Wechsel fällig ist

Dein System ist End of Life. Keine Patches heißt: Jede neue Lücke bleibt offen. Angreifer scannen gezielt nach EOL-Software, und die Versicherung fragt im Schadensfall nach dem Patch-Stand.

Jedes Update ist ein Projekt. Wenn Plugin-Abhängigkeiten Releases über Monate blockieren, hat der Shop seine Wartbarkeit verloren.

Schnittstellen sind Dauerbaustellen. ERP-Sync per CSV und Cronjob, manuelle Nacharbeit bei Preisen oder Beständen.

Fachliche Anforderungen landen im Code. Jede Aktion, jede Versandregel, jede Kundengruppe braucht einen Entwickler.

B2B-Funktionen fehlen. Freigaben, Budgets, Angebote, kundenindividuelle Kataloge werden außerhalb des Shops abgewickelt.

Performance und Compliance hinken. Core Web Vitals, Barrierefreiheit nach BFSG und moderne Payment-Anforderungen lassen sich im Altsystem nicht mehr sauber lösen.

Die vollständige Signalliste mit Bewertungsraster steht im Leitfaden, Abschnitt 2.1. Shopware 6 adressiert diese Punkte strukturell: Rule Builder und Flow Builder verlagern Geschäftslogik aus dem Code in die Administration, die API-first-Architektur macht Integrationen zum Standardfall, die B2B Components ab Evolve decken die typischen B2B-Prozesse ab, und Shopware 6.7 ist auf Barrierefreiheit nach EAA ausgelegt.

Warum es kein Update ist

Shopware 6 ist eine Neuentwicklung auf Symfony und Vue.js. Smarty-Templates laufen nicht in Twig, Shopware-5-Plugins sind inkompatibel, die Datenbankstruktur ist eine andere. Shopware selbst spricht von Migration und stellt dafür den Migration Assistant mit Profilen für Shopware 5 ab Version 5.4 bereit, je Minor-Version ein Profil.

Der Assistant überträgt Produkte, Kategorien, Hersteller, Kunden, Bestellungen, Medien und Bewertungen. Er liest die Shopware-5-Datenbank über den Migration Connector aus; der Altshop bleibt bis zum Cutover unverändert und lauffähig, Änderungen lassen sich nachmigrieren. Theme, Plugins, Individualcode und Schnittstellen übernimmt er nicht.

Die Shopware-5-Spezifika, die den Aufwand bestimmen

Plugins. Die Inventur ist der wichtigste Schritt. Für viele Shopware-5-Plugins gibt es Store-Äquivalente für Shopware 6, für manche Kernfunktionen (Staffelpreise, Kundengruppen, Versandregeln) gibt es sie im Rule Builder, und für einen Rest gibt es nichts. Dieser Rest entscheidet über das Budget.

Templates. Smarty-Themes werden nicht konvertiert. Das Frontend ist ein Neubau in Twig, oder, bei Headless-Ambitionen, mit den Composable Frontends. Das ist der Moment, Altlasten aus zehn Jahren Theme-Anpassungen zu streichen.

Einkaufswelten. Werden zu Shopping Experiences. Die Inhalte lassen sich nicht automatisch übertragen; Layouts müssen neu angelegt werden, oft weniger, als man vorher hatte.

Kundengruppen und Preise. Shopware-5-Kundengruppen mit eigenen Preisen und Rabatten bildet Shopware 6 über Kundengruppen, erweiterte Preise und den Rule Builder ab. Die Logik ist mächtiger, aber anders geschnitten; wer sie 1:1 kopiert, verschenkt den Vorteil.

SEO-URLs. Shopware 6 hat eine andere Standard-URL-Struktur. Ohne vollständiges 301-Mapping gehen Rankings verloren. Das Mapping ist ein eigenes Arbeitspaket, nicht ein Punkt auf der Go-live-Checkliste. Details im Artikel zu Shopware SEO.

Der Ablauf in sechs Phasen

1. Analyse und Inventur. Plugins, Individualcode, Schnittstellen, Datenqualität. Dieses Inventar entscheidet über Budget und Dauer.

2. Zielarchitektur. Edition, Betriebsmodell, Integrationsmuster, Theme-Strategie. Hier wird auch entschieden, was bewusst nicht migriert wird.

3. Testmigration. Vollständiger Lauf des Migration Assistant in eine geschlossene Staging-Umgebung. Ergebnis: Datenqualitätsbericht und Liste der Mapping-Lücken. Vorgehen im Leitfaden, Abschnitt 4.4.

4. Umsetzung. Theme, Individualfunktionen und Integrationen parallel. Integrationen starten zuerst, weil sie am längsten dauern und externe Beteiligte brauchen.

5. Testing. Integrationstests pro Schnittstelle gegen reale Daten, End-to-End-Tests der Bestellstrecke je Kundengruppe und Zahlart, Datenabgleich Alt gegen Neu, Lasttest vor dem Cutover. Ohne diese Phase findet der Kunde die Fehler. Testpläne und Go-Live-Agenda als Vorlage: Leitfaden, Abschnitte 5.5 bis 5.7.

6. Cutover und Hypercare. Content-Freeze, finale Delta-Migration, 301-Redirects aktiv, DNS-Umstellung, zwei bis vier Wochen erhöhte Bereitschaft.

Was die Migration kostet und wie lange sie dauert

Der größte Kostenblock ist selten die Lizenz. Es sind Datenmigration und der Neubau individueller Plugins und Schnittstellen. Eine Shopware-5-Migration eines mittelgroßen Shops läuft in drei bis sechs Monaten inklusive Testphase und Parallelbetrieb; Projekte mit B2B-Funktionen und ERP-Integration brauchen länger. Marktquellen nennen für reine Datenmigration 5.000 bis 30.000 Euro und 2.000 bis 15.000 Euro pro Schnittstelle (qualimero, Mai 2026). Das ist Orientierung, keine Kalkulation.

Shopware 5 auf 6 Migration: Wo Projekte scheitern

Erstens an der Inventur: Plugins, von denen niemand mehr weiß, was sie tun, bis sie fehlen. Zweitens an Daten: Varianten ohne saubere Zuordnung, Kunden mit Dubletten, Bestellhistorie ohne eindeutige Schlüssel. Drittens am Testing: Projekte, die den Lasttest streichen, lernen ihn am ersten Aktionstag kennen. Viertens an der Organisation: Der ERP-Verantwortliche ist nicht eingeplant, die Schnittstelle wartet.

Handlungsempfehlungen

  1. Plugin- und Schnittstellen-Inventar vor jedem Angebot erstellen lassen.

  2. Testmigration als eigene Phase mit Datenqualitätsbericht einplanen.

  3. Nicht alles migrieren: Altlasten streichen, bevor sie Shopware-6-Code werden.

  4. Testing (Integration, E2E, Last, Datenabgleich) als Pflichtphase budgetieren.

  5. 301-Mapping als Arbeitspaket mit Verantwortlichem führen.

Fazit

Eine Shopware 5 auf 6 Migration ist ein Replatforming: Daten wandern, alles andere entsteht neu. Wer das als Update plant, plant zu kurz.

Für Entscheider ist der Wechsel eine Chance, Geschäftslogik aus dem Code zu holen und Integrationen zu standardisieren. Dafür muss das Projekt so geschnitten sein, dass Inventur, Testmigration und Testing echte Phasen sind.

Shopware 6.7 ist die aktuelle Zielversion, 6.8 kommt 2027 mit dem Ende der alten B2B Suite. Wer heute migriert, setzt auf B2B Components auf, nicht auf Legacy.

Wenn du vor der Migration stehst, machen wir mit dir die Inventur. Als Shopware-Agentur haben wir Shopware-5-Shops in beide Richtungen begleitet und kennen die Plugins, die niemand mehr vermisst.

FAQ

Kann ich Shopware 5 2026 noch betreiben?

Technisch ja, offiziell abgesichert nein. Seit dem 31. Juli 2024 gibt es keine Sicherheitspatches mehr. Jeder Betrieb danach ist eine bewusste Risikoentscheidung mit Haftungsfolgen.

Was übernimmt der Shopware Migration Assistant?

Produkte, Kategorien, Hersteller, Kunden, Bestellungen, Medien und Bewertungen aus Shopware 5 ab Version 5.4. Theme, Plugins, Individualcode und Schnittstellen werden nicht übernommen.

Wie lange dauert die Migration von Shopware 5 auf 6?

Für einen mittelgroßen Shop drei bis sechs Monate inklusive Testmigration und Parallelbetrieb. Mit B2B-Funktionen und ERP-Integration länger.

Kann ich die Migration selbst durchführen?

Den Datentransfer ja, der Migration Assistant ist dafür gebaut. Theme-Neubau, Plugin-Ersatz, Schnittstellen und Testing brauchen Entwicklungskapazität. Die meisten Händler holen sich dafür eine Agentur.

Wie behalte ich Rankings bei der Migration?

Mit einem vollständigen 301-Mapping aller alten URLs auf die neue Struktur, aktiv zum Cutover, und engem Monitoring der Search Console in den Wochen danach.

Du suchst eine Shopware Agentur für dein Projekt?

Vom ersten Workshop bis zum Go-live und darüber hinaus: Als Shopware Gold Partner planen, entwickeln und betreuen wir Shopware-Shops für B2B und B2C – inklusive ERP- und PIM-Anbindung, Migration und individueller Erweiterungen.